Verlust und Verlusterfahrung

Verlust und Verlusterfahrung

In diesem Aufsatz beschreibe ich die menschliche Dimension der Verlusterfahrung. Es ist jene Dimension, die das relativ gesicherte Selbst- und Welterlebens eines Menschen immer wieder aufs Neue zu erschüttern vermag, und uns vor die existentielle Frage: „Wer bin ich angesichts des „Nicht-mehr“ in meinem Leben?“

Die Entwicklung des Selbst- und Welterleben und dessen Bedrohung durch Verlust und Verlusterfahrungen

Im Beitrag  Vereinzelung und Vergesellschaftung wurde gezeigt, dass der Mensch ein Beziehungswesen ist. In der Begegnung überwindet der Mensch sein Alleinsein. Es kommt zu einem gemeinsamen Erleben einer durch Beziehung konstituerten gemeinsamen Wirklichkeit, innerhalb der vergesellschaftete Menschen in einem wechselseitigen Wirkungsverhältinis zueinander stehen. Dies lässt sie sowohl zu Ab- und Urbildern der Gesellschaft als auch des Einzelen werden.

Tritt der Mensch aus der Begegnung und der gemeinsam erlebten Wirklichkeit heraus, überwindert er die Gesellschaft und erscheint als Einzelwesen. Im Rahmen der Vereinzelung verfügt der Mensch über die Möglichkeit zur Reflexion. Das bedeutet, dass er über sich selbst und seine sinnlichen Erfahrungen von der Welt nachzudenken vermag, was ihn zu einem geistigen Wesen werden lässt.

In dieser Auseinandersetzung entwickelt er relativ klare Vorstellungen hinsichtlich seiner selbst und der Welt in der er lebt, was sich in einem relativ gesicherten Selbst- und Welterleben des Menschen äußert.

Innerhalb dieses Beitrages wird der Blick auf jene Dimension des Menschlichen gelegt, die den Menschen in seinem Selbst- und Welterleben immer wieder aufs neue zu erschüttern vermag, die Verluste und die damit einhergehenden Verlusterfahrungen.

Der Urverlust als Sinnbild menschlichen Lebens – Eine Annäherung

Der Augenblick der Geburt als Neubeginn menschlichen Lebens auf Erden und dei damit einhergehende Beendigung des ersten Lebensabschnitss innerhalb des mütterlichen Kosmos stellt einen der ersten und fundamentalsten Verluste, den Urverlust, menschlichen Lebens dar.

Während der Geburt verlässt der Mensch, mehr oder minder gneötigt, den wärmenden, nährenden und schützenden Urraum, den mütterlichen Kosmos uns stellt sich dem Abenteuer leben in einer ihm bisher fremden Welt. Gleichzeitig wird er jeder Möglichkeit beraubt, je wieder in seinen ursprünglichen Raum und Zustand zurückzukehren.

Wie die Geburt verändern auch die folgenden Verluste das räumliche oder soziale Umfeld des Menschen, verändern ihn selbst oder zwingen zur Veränderung, so daa er sich erneut einer für ihn befremdlichen Welt, einem ungewissen Selbst gegenübersieht.

So wird dieser primäre Verlust zum Sinnbild menschlichen Lebens

Verluste – Das Nicht-Mehr im Leben eines Menschen

Verluste verweisen auf das Nicht-Mehr im Leben eines Menschen. Wobei das Nicht-Mehr nicht das Nichts meint, sondern das Alte, als etwas Gewesenes beinhaltet und auf das Neue als etwas potenziell Seiendes verweist. Von dieser Perspektive aus betrachtet, verliert der Terminus „Verlust“ die überwiegende Negativität des umgangssprachlichen Sprachusus. Der Verlust wir zum Ausgangspunkt für Veränderung und Entwicklung im menschlichen Leben.

Verluste können Beziehungen, Vorstellungen und Träume von Menschen betreffen. Liebesbeziehungen, Arbeitsbeziehungen oder Freundschaften zerbrechen. Liebgewonnene Vorstellungen über sich selbst müssen genauso wir Träume aufgegeben werden, indem wir uns mit alldem auseinandersetzen müssen, was es in unserem Leben nie auf die von uns gedachte Art und Weise geben wird.

Verluste  können schmerzhaft und schwer zu verkraften sein und dennoch liegt in ihnen so paradox es auch klingen mag, das Potential der Entwicklung und des Neuanfangs. Nicht zuletzt tragen Verluste eine Menge zum jeweiligen Werden und geworden Seins des Menschen bei.

Die Verhandelbarkeit von Verlusten

Da der Mensch sowohl Einzel- als auch Gesellschaftswesen ist, bleibt was ein Verlust ist und wann er eintrifft stets zwischen Betroffenen und Angehörigen verhandelbar. Dieser Interpretationsspielraum hat unweigerlich starke Folgen auf das Selbst- und Welterleben der betroffenen Menschen.

Aufgrund meiner Erfahrungen ergeben sich gesellschaftlich drei Kategorien von Verlusten, nämlich primäre, sekundäre und tertiäre Verluste.

Primäre Verluste

Primäre Verluste zeichnen sich dadurch aus, dass sowohl der vom Verlust Betroffene als auch die Gemeinschaft, in der er sich bewegt, den Verlust als gegeben ansehen.

Erläuterndes Beispiel:

Ein naher, bedeutender Verwandter stirbt. Sowohl der Betroffene als auch sein Umfeld sind informiert und erkennen den Tod als Verlust für den Betroffenen an.

Sekundäre Verluste

Sekundäre Verluste zeichnen sich dadurch aus, dass ein erlittener Verlust eines Menschen, in der Gemeinschaft, in der er lebt, nicht anerkannt oder wahrgenommen wird.

Erläuterndes Beispiel:

Ein Kind wird schon in den ersten Lebensmonaten von seinen Adoptiveltern adopiert. Als das Kind von seiner Adoption erfährt, bricht für es eine Welt zusammen. Es realisiert den Verlust der leiblichen Eltern. Die Adoptiveltern können diese Reaktionen nicht nachvollziehen, da das Kind seine leiblichen Eltern nie kennengelernt hat, erkennen sie den Verlust des Kindes nicht an.

Tertiäre Verluste

Tertiäre Verluste sind Verluste, die von der Gesellschaft als solche anerkannt werden, während der mutmaßlich Betroffene den vermeintlichen Verlust entweder noch nicht anerkennen kann. Oder vom Verlust erst gar nicht auf diese Art und Weise betroffen ist, wie von den Außenstehenden angenommen wird. Hierbei handelt es sich um zwei wesensverschiedene Kategorien.

Im einen Fall realisiert die Gesellschaft einen offensichtlichen Verlust, bevor der Betroffene ihn anerkennen kann. Im anderen Fall ortet die Gesellschaft einen Verlust, den es für den vermeintlich Betroffenen gar nicht gibt.

Erläuterndes Beispiel:

Anna wird von der Polizei darüber unterrichtet, dass ihr Partner im Ausland einen Unfall mit tödlichem Ausgang hatte. Anna informiert ihre nahen Freunde und Verwandten, die den Verlust sofort anerkennen. Anna zweifelt jedoch an der Tatsache, dass es sich bei dem im Ausland Verstorbenen tatsächlich um ihren Partner handelt. Sie negiert den Verlust so lange bis sie die Leiche von Max identifiziert.

Während im ersten Fall findet die Angleichung der beiden Lebenswirklichkeiten mit der Zeit mit ziemlicher Sicherheit von selbst passiert, indem der Betroffene den Verlust anerkennt, kann es im zweiten Fall zu einer Serie von Verlusten für den Betroffenen kommen, die nur aus der Vorstellung der anderen resultieren, dass er von einem bestimmten Verlust betroffen ist.

Erläuterndes Beispiel:

Alex kommt mit einer leichten körperlichen Beeinträchtigung zur Welt, die es in keiner Weise daran hindert, sein Leben zufriedenstellend zu meistern. Seine Eltern kommen jedoch nicht über ihren eigenen Verlust hinweg, ein beeinträchtigtes Kind geboren zu haben. Sie behandeln Alex daher ständig wie ein bemitleidenswertes Geschöpf. Alex wird durch die Haltung der Eltern in seinem Selbsterleben negativ beeinträchtigt. Das hat zur Folge, dass Alex sich selbst immer weniger zutraut. Alex übernimmt mit der Zeit das Bild der Eltern. Dies führt schließlich dazu, dass Alex auch von der Umwelt weniger Anerkennung erhält, als es unter anderen Umständen erhalten könnte. Als Alex älter wird bricht er aus den ihn einschränkenden Verhältnissen aus und distanziert sich auch emotional zunehmend von seinen Eltern.

Die Verlusterfahrung

Die mit dem Verlust gekoppelte Erfahrung ist die Verlusterfahrung. Sie ist die herausragende Erfahrung eines Menschen des Nicht-Mehr-Soseins, die erst möglich wird, durch bereits vorweggenommene Erfahrungen und Vorstellungen des Soseins. Im Augenblick der Realisation des Verlustes tritt das Erleben des Nicht-Mehr-Soseins von Selbst und Welt an die Stelle des Soseins von Selbst und Welt. Die durch den Verlust berührten Anteile des gegenwärtigen Selbst- und Welterlebens werden aus dem Gesamtgefüge herausgerissen und in die Vergangenheit verbannt. Das Selbst- und Welterleben des Menschen wie insofern erschüttert, als das Lebensbereiche, die bisher als offen stehend vorausgesetzt wurden, nunmehr verschlossen sind.

Das bedeutet, dass gewisse, das bisherige Selbst- und Welterleben konstituierende, relativ konstante Beziehungen, Vorstellungen und Träume, innerhalb der bis dato existenten und als gegeben vorausgesetzten Lebenswirklichkeiten aufgrund des Verlustes unwirklich bzw. unerreichbar werden. Daraus folgt, dass sich der Mensch selbst und die Welt in der er lebt, nie wieder auf die bis zum Eintreffen des Verlustes gewohnte Art und Weise erleben kann. Auf die Frage, was Verlusterfahrungen sind, lässt sich somit zusammenfassend antworten: 

„Verlusterfahrungen“ sind die fundamentalen Erfahrungen, des Nicht-Mehr-Soseins von Selbst und Welt.

Das zeitliche Verhältnis von Verlust und Verlusterfahrung

Verlusterfahrungen können aber müssen sich zeitlich nicht mit dem Eintreten des objektiven Verlustes decken, wie etwa das Gewahr werden des Alterns als Verlust der Jugend (Verlusterfahrung viel später als Eintritt des Verlustes) oder das Gewahr werden des bevorstehenden Todes eines geliebten Menschen im Falle einer schweren Erkrankung (Verlusterfahrung vor Eintritt des Verlustes). Wenn sich jedoch gemacht werden, erschüttern sie das Selbst- und Welterleben des betroffenen Menschen und setzten Affekte und körperliche Reaktionen frei, deren Intensität und Dauer graduell von der jeweiligen persönlichen Bedeutung des Verlustes und der Intensität der damit verbundenen Verlusterfahrung abhängig.

„Kleine Tode“ – Verlusterfahrung als Grenzerfahrung

Das Eintreffen wesentlicher Verluste hat zur Folge, dass Beziehungen, Vorstellungen und Träume, welche das bisherige Selbst- und Welterleben eines Menschen wesentlich waren, über den Verlust hinaus verloren gehen oder stark befremdend wirken. Mit Verlusten verhält es sich demnach ähnlich wie mit Steinen, die ins Wasser geworfen werden. Egal wie unscheinbar ein Verlust auch sein mag, er zieht seine Kreise und rüttelt unaufhaltsam an einmal gefassten Vorstellungen eines Menschen betreffend der Welt, in der er lebt, bezüglich der Menschen, die er liebt, den Träumen die er verwirklichen möchte und letztlich hinsichtlich seiner selbst. Verlusterfahrungen führen den Menschen immer wieder aufs Neue an seine Grenzen.

Anfänglich betrachtet sich der Mensch als Mittelpunkt der Welt. Mit der Zeit lernt er Ich zu sagen und entdeckt sich selbst und den potenziell Anderen. Gleichzeitig macht er eine schmerzliche Erfahrung. Der Mensch erfährt, um mit PESTALOZZI zu sprechen, „einen ersten Schatten des Gefühls, dass nicht alles um seinetwillen in der Welt sei, und mit ihm entkeimt auch das zweite Gefühl: Dass auch es selbst nicht um seinetwillen allein in der Welt sei (…)“ (PESTALOZZI zit. nach SCHINDLER 1993, 69). Diese Erfahrungen sind Vorboten der Erkenntnis, dass das menschliche Leben auf Erden durch den Tod begrenzt ist. Angesichts des Todes ist der Mensch gezwungen, seine Vorstellung, dass alles in der Welt auf sein Wohlergehen ausgerichtet ist, aufzugeben. Er erkennt den Tod als Grenze seines Lebens, die vorweggenommene Grenzerfahrungen werden so, um mit Regine SCHINDLER zu sprechen, „zur Vorbereitung auf den Tod“ (ebd.), als letzten allumfassenden Verlust, indem sich die kleinen Tode spiegeln.

Verlusterfahrung als Sinnbild der Vergänglichkeit

Verlusterfahrungen erinnern den Menschen also immer wieder auf schmerzliche Art und Weise daran, dass nichts im Leben Bestand hat – weder die Welt, in der er lebt, noch die Beziehungen, die ihm wichtig sind. Verlusterfahrungen machen deutlich, dass der Mensch weder sich selbst noch Menschen, die er liebt vor Gefahren, Krankheit oder Tod bewahren kann und erinnern ihn unaufhörlich daran, dass er im Grunde immer wieder dazu bestimmt ist, allein zu sein. Sein ganzes Leben lang versucht er, indem er in Beziehung tritt, dem Alleinsein zu entgehen, sich selbst in der Beziehung zur Welt und den Menschen zu finden, bis schließlich der Tod selbst die längsten Bande löst. Innerhalt dieses letzten allumfassenden Verlustes widerspiegelt sich aufs Neue der verlustbetonte Charakter menschlichen Lebens auf Erden. Wie einst bei der Geburt lässt der Mensch alles hinter sich, um vielleicht wie einst in einen neuen noch unbekannten Kreislauf einzukehren.

Hier stellt sich unweigerlich die Frage, ob der Mensch diesen Erfahrungen hilflos ausgeliefert ist, oder ob er über Potentiale verfügt, sich seinen Verlusten und den damit verbundenen Verlusterfahrungen aktiv anzunehmen. Antwort darauf gebe ich im nächsten Beitrag.

Ich werde zeigen, dass die Fähigkeit zu trauern einen wesentlichen Beitrag zur menschlichen Dimension der Freiheit beiträgt.

Quelle:

HOLLOWAY, Irene: Spielend trauern. Einführung in die Theorie und Praxis der Trauererziehung. Dissertation. Wien 2003

Vereinzelung und Vergesellschaftung

Vereinzelung und Vergesellschaftung

Wie jede Therorie basiert auch die Theorie der Trauererziehung auf Grundannahmen. In diesem Aufsatz beschreibe ich die menschliche Dimension der Vereinzelung und Vergesellschaftung des Menschen.

Die Geburt –  Aus dem All in die Vereinzelung und Vergesellschaftung des Menschen

Bei der Geburt tritt der Mensch aus dem All heraus und findet sich in Gemeinschaft wieder. In ihr  wird er sich seines Alleinseins bewusst wird, indem die primäre Erfahrung alles zu sein, was innerhalb des mütterlichen Kosmos existiert mit der Zeit durch die Erkenntnis abgelöst wird, nur das zu sein, was alles andere auf der Welt nicht ist, nämlich er selbst. Diese Erkenntnis geht auf die, sein Überleben sichernden, frühesten Begegnungen und den damit verbundenen Erfahungen innerhalb der ersten Lebensjahre zurück. Sie erneuert sich in jeder weiteren Begegnung in der Dialektik von Vereinzelung und Vergesellschaftung, die den Menschen als Einzel- und Gesellschaftswesen erscheinen lässt.

Die Bewusstwerdung des Menschen

Die Fähigkeit des Menschen in Beziehung zu treten, konstituiert das Menschsein insofern, als der Mensch durch Beziehung, sich selbst als Mensch zu begreifen beginnt. In der Abfolge von Beziehung und Beziehungslosigkeit erkennt sich der Mensch mit der Zeit als den gleichbleibende Partner. In der Folge wird sich der Mensch nicht nur seiner selbst, sondern auch seiner erfahrbaren Umwelt bewusst. Nachdem diese Trennung erfolgt ist, entwickelt der Mensch die Möglichkeit sowohl über sich als auch über die sinnliche Welt im Lichte des Ichbewusstseins nachzudenken. So kommt er zu gewissen Vorstellungen bezüglich seiner selbst und der Welt, in der er lebt.

Was bedeutet dies nun bezogen auf die Ichwerdung des Menschen?

Der Mensch nimmt seine Umwelt schon im Mutterleitb beginnend über die Sinne auf, indem er sie fühlt, riecht, hört, schmeckt und sieht. Er differentziert dieses Fähigkeit nach der Geburt im Umgang mit den umliegenden Objekten.

Erst dadadurch, dass er sich seiner selbst bewusst wird, kommt es zu einer Unterscheidung seiner selbst und dem erfahrbaren Anderen. Dieses Selbstbewusstsein erlangt der Mensch jedoch nicht alleine über diese Sinnererfahrungen, sondern durch die Abfolge von Beziehung und Beziehungslosigkeit.

Das Kind erlebt sich als den Mittelpunkt der Welt. Erst die Möglichkeit eines phantasierten bzw. tatsächlichen gemeinsamen Erlebens derselben Wirklichkeit und das Heraustreten aus dieser Wirklichkeit ermöglicht ihm, sich seiner selbst bewusst zu werden, indem er sich als den die Zeit überdauernden beständigen Partner erkennt.

Ur- und Abbild als Verhältnis von Vereinzelung und Vergesellschaftung des Menschen

Die Begegnung verbindet und trennt den Menschen, was schließlich dazu führt, dass der Mensch sowohl als Einzelner als auch als Gesellschaftswesen erscheint. Das Verhältnis von Einzelnem und Gesellschaft bestimmt sich im wechselseitigen Wirkungsprinzip von Ur- und Abbild.

Wie verhalten sich der einzelne Mensch und die Gesellschaft zu einander?

 

Das Verhältnis von Einzelnem und Gesellschaft stellt sich als wechselseitiges Wirkungprinzip dar, was bedeutet, dass einerseits der Einzelne als Ursache für Veränderungen innerhalb der Gesellschaft gesehen werden kann und umgekehrt die Gesellschaft Veränderungen beim Einzelnen verursachen kann.

Je nachdem welches Wirkungsprinzip in den Blick genommen wird, ergibt sich so einerseits der vergesellschaftete Mensch, andererseits der vereinzelte Mensch.

Gesellschaft entsteht, indem sich Menschen gewahr werden und sich in diesem Gewahrwerden sowohl Ursache als auch Wirkung sind, was den Menschen in seiner Vereinzelung und Vergesellschaftung erst zu jenem Ur- und Abbild werden lässt.

Die Begegunung vereinzelt und verbindet den Menschen. Sie vereinzelt ihn, weil er durch sie erfährt, dass er einer unter anderen ist. Sie verbindet ihn, indem er durch sie erfährt, dass er einer unter potentiell Gleichen ist. Wenn der Mensch in der Reflexion erkennt, dass er einer unter anderen ist, wird er sich seiner selbst gewahr und meint Ich. Wenn er sich in Beziehung stehend erkennt, dass er einer unter potentiell Gleichen ist, wird er ich seiner Mitmenschen gewahr und meint Wir.

Das Ich verweist auf das Trennende und führt zur Vereinzelung. Das Wir verweist auf das Verbindende und führt zur Vergesellschaftung.

Die Bedeutung der Begegnung für die Vereinzelung und Vergesellschaftung des Menschen

In der Begegnung treffen Menschen aufeinander, die sich wechselseitig meinen. So entsteht das Wir.

Das Wir meint nicht den einen ohne den anderen. Es meint nicht den einen der sich selbstvergessen im anderen findet, während sich der andere selbstvergessen in ihm findet – sie wären ja in ihrer Selbstvergesenheit im anderen wieder allein.

Begegnung meint ein Ich, das sich eines anderen Ich gewahr wird, während das andere Ich sich des einen Ich gewahr wird. Indem sie sich gewahr werden, überwinden sie für kurze Zeit das Alleinsein und finden sich in Gesellschaft wieder.

In der Vereinzelnung tritt der Mensch aus der Begegnung heraus. Er wird sich seiner selbst in sich gewahr, ohne dass er einen anderen meint oder ein anderer ihn meint. Er ist zurückgeworfen auf sich selbst als ein Ich unter anderen.

Indem der Mensch sich selbst gewahr wird, überwindet er die Gesellschaft und findet sich in der Vereinezlung. Was bleibt, ist die aus der Erfahrung resutierende Vorstellung vom Ich eines anderen als Möglichkeit, die Vereinzelung zu überwinden.

Das Verhältnis von Einzelnem und Gesellschaft

In der Vereinzelung ist der Mensch in der Gesellschaft, aber er ist nicht Teil von ihr. In der Begegung ist der Mensch teil der Gesellschaft, aber er ist nicht in ihr.

Der vereinzelte Mensch ist ein in sich geschlossenes, ganzes Wesen, abgegrenzt von allen anderen und dadurch in und durch sich beschränkt. Er repräsentiert sich selbst als Einzelwesen.

Der vergesellschaftete Mensch hingegen ist nur ein Teil eines Ganzen, dafür potentiell erweitert um den anderen. Er repräsentiert sich und potetiell anderen als Gesellschaftsswesen.

Aufgrund der Möglichkeit in Beziehung zu treten, tritt der Mensch aus unterschiedliche Art und Weise in Erscheinung – einmal in Form eines Einzelswesens, einmal in Form eines Gesellschaftswesens. Die Grenzen sind jedoch fließend, denn der Mensch ist nicht einmal eine Einzelwesen und ein anderes Mal ein Gesellschaftswesen, auch wenn es uns so erscheint.

Menschsein vereint unter sich, ein Einzelner zu sein, der jederzeit aus der Vereinzelung heraus in Beziehung treten kann. Vereinezlung und Vergesellschaftung sind somit zwei Erscheinungsformen derselben hier vorausgesetzten Wirklichkeit Mensch, konstituiert durch die menschliche Fähigkeit der Begegnung.

Das Verhältnis zwischen Gesellschaft und Einzelnen bestimmt sich im Verhältnis von Ur- und Abbild und wird so zur Voraussetzung jedes Bildungsprozesses.

 

Innerhalb dieses Abschnitts wurde die erste von vier Dimensionen des Menschlichen skiziiert, die insgesamt das Menschenbild der Theorie der Trauererziehung beschreibt, nämlich die Dimension der  Vereinzelung und der Vergesellschaftung des Menschen.  Vorerst wurde der Mensch auf  Grund seiner Fähigkeiten in Begegnung zu treten und Erfahrungen zu machen, als beziehungsfähiges, reflektierendes und somit geschichtliches Wesen erkannt. In der Folge wurde das Verhältnis von Einzel- und Gesellschaftswesen diskutiert und erkannt, dass das Verhältnis von Ur- und Abbild Voraussetzung jedes Bildungsprozesses ist.

Das führt uns unweigerlich zur zweiten Grundannahme über den Menschen, nämlich:

  • Die Dimension der Verlusterfahrung

Im folgendem Blogarktikel werden wir ausgehend vom Urverlust des menschlichen Lebens, die für die Trauererziehung wesentlichen Begriffe „Verlust“ und „Verlusterfahrung“ klären.

Hier geht es zum vorigen Beitrag:

Weshalb Trauererziehung?

Quelle:

HOLLOWAY, Irene: Spielend trauern. Einführung in die Theorie und Praxis der Trauererziehung. Dissertation. Wien 2003

Weshalb Trauererziehung?

Weshalb Trauererziehung?

Wie jede Therorie basiert auch die Theorie der Trauererziehung auf Grundannahmen. In diesem Aufsatz beschreibe ich einerseits, wie es dazu kam, Trauererziehung zu beforschen. Andererseits gebe ich erste Einblicke in das Menschenbild, das der Trauererziehung zugrunde liegt.

Trauererziehung als pädagogisches Handlungsfeld

In der praktischen Arbeit mit Halbwaisen und Scheidungswaisen beobachtete ich mit Staunen, dass Kinder, welche die Fähigkeit besaßen, ihre Verlusterfahrungen, und die damit verbundenen Vorstellungen und Gefühle abseits der vorgegebenen pädagogischen Strukturen, in spontanten Spielsituationen aufzugreifen, weit bessere „Fortschritte“ in der Bewältigung der Verlusterfahrung zu machen schienen, als diejenigen, die brav und angepasst, an vorgegebenen Aktivitäten teilnahmen.

Dies führte dazu, dass ich mich intensiv für die Zusammenhänge von Trauer und spontan spielerisch-gestalterischem Verhalten zu interessieren begann und die gewonnenen Erkentnisse direkt in meine praktische Arbeit einfließen ließ.

Während die positive Wirkung spielerisch-gestalterischen Verhaltens für Trauernde innerhalb der Literatur einen breiten Konsens findet, besteht hinsichtlich des Wesens der Trauer ein Dissens. Trauer wird einerseits als Fähigkeit, andererseits als psychische Krankheit beschrieben.

Ich kam zu dem Schluss, dass die zunehmend kollektive Verarmung an Trauerfähigkeit, die medizinisch-psychoanlytische Sichtweise von Trauer, der zu Folge es sich bei der Trauer um ein psychische Krankheit handelt und dementsprechend behandelt werden muss, begünstigt.

So entstand der Wunsch Erziehung zur Trauer als pädagogisches Betätigungsfeld zu erschließen.

In den letzten beiden Jahrzehnten habe ich unzählige Trauerende begleitet. Die Erfahrung lehrt mich, dass Erziehung zur Trauerfähigkeit aktueller ist, denn je.

Vorstellungen über den Menschen

Hinter dem Wunsch Erziehung zur Trauer als pädagogisches Feld zu erschließen, verbergen sich spezifische Vorstellungen daürber, was der Mensch sei und können müsse. Konkret stellt sich die Frage:

Wer ist der Mensch, dass er der Erziehung zur Trauer bedarf?

Wer ist der Mensch, dass er der Erziehung zur Trauer bedarf?

Seit jeher beschäftigt sich die Philosophie mit der Frage, ob Erkenntnisse über den Menschen durch den Menschen selbst überhaupt möglich sind. Immerhin steht er zu sich selbst nicht im Abstand eines neutralen Beobachters (vgl. FISCHER, 1980).

Im Rahmen der Trauererziehung wird davon ausgegangen, dass der Mensch als sich selbst denkendes Wesen, sich in der Fragestellung, was der Mensch sei, unweigerlich selbst Antwort geben kann, möchte er nicht auf der Stufe der rein empirischen Betrachtungsweise verharren. Was bedeutet, dass es ihm möglich ist, den Menschen auf eine Art und Weise zu erfassen, wie kein anderes „Untersuchungsobjekt“ – rein empirisch oder spezifisch menschlich. Denn während er auf die Frage: „Wie ist es, ein Baum zu sein?“, nicht antworten kann, vermag er auf die Frage: „Wie ist es, ein Mensch zu sein?“, insofern zu antworten als er sich selbst als Antwort geben kann.

Ganzheitlich erfassen, so eine weitere Grundannahme der Trauererziehung, lässt sich der Mensch durch die über ihn getroffenen Aussagen jedoch nicht.

Sprache ermöglicht die Beschreibung einer von ihr unabhängigen Wirklichkeit, die sie begrifflich und daher allgemein-fragmentarisch erfasst. Daher wird die Frage nach dem Wesen des Menschen umformuliert. Die Frage, die sich stellt, lautet: „Wer ist der Mensch, dass er der Trauererziehung bedarf?

Beantwortet wird diese Frage, indem vier als wesentlich erachtete Dimensionen des menschlichen skizziert werden.

In den folgenden Blogarktikeln werden die einzelnen Dimensionen diskutiert.

Quelle:

HOLLOWAY, Irene: Spielend trauern. Einführung in die Theorie und Praxis der Trauererziehung. Dissertation. Wien 2003

Affirmationen – Kleine Sätze mit großer Wirkung

Affirmationen – Kleine Sätze mit großer Wirkung

In meiner selbständigen Tätigkeit kommt es hin und wieder vor, dass ich den Impuls bekomme, meinen Klient:innen Affirmationen anzubieten. Es ist eher die Ausnahme als die Regel. Wenn der Impuls jedoch kommt, sind die Rückmeldungen sehr oft erstaunlich. Daher widme ich diesen Beitrag der Technik der Affirmation. Alle Fallbeispiele liegen viele Jahre zurück. Sowohl Geschlecht als auch Namen sind frei gewählt.

Was sind Affirmationen?

Affirmationen sind einfache Sätze, die wir wiederkehrend wiederholen. Dabei verfolgen wir das Ziel, Gedanken, Gefühle und Verhalten zu unserem Wohl zu verändern.

Das Wechselspiel von Gedanken, Gefühlen und Verhalten

Gedanke, Gefühle und Verhalten beeinflussen sich wechselseitig. So neigen Menschen beispielsweise dazu, aufkommende Gefühle zu interpretieren. Oder anders ausgedrückt, sie erfinden Geschichten dazu, um sich die Gefühle selbst zu erklären. Diese Geschichten werden zu ihren Realitäten. Sie beeinflussen das gezeigte Verhalten und stimulieren oder verstärken das interpretierte Gefühl.

Franz fühlt sich heute nicht gut. Er grübelt darüber nach, warum er sich unwohl fühlt. Schließlich kommt er zu dem Schluss, dass es daran liegt, dass seine Partnerin Sabine heute am Morgen so gestresst das Haus verlassen hat. Während des Tages baut sich der Ärger über Sabine auf. Als er am Abend nach Hause kommt, verzieht er sich gleich wortkarg vor den Fernseher. Aufgrund der Spannungen, die nun in der Luft liegen, fühlt er sich noch schlechter.

Wie werden Affirmationen angewendet?

Wie du deine Affirmation anwendest liegt ganz bei dir. Wichtig ist, dass es sich für dich stimmig und gut anfühlt. Du kannst die Affirmation laut singen und dabei tanzen. Du kannst sie wie ein Mantra innerlich wiederholen und mit der Atmung verknüpfen. Du kannst es dir zu einem bestimmten Zeitpunkt am Tag zum Beispiel vor dem Einschlafen, wie ein Ritual vorsagen. Oder es einfach mehrfach wiederholen, wenn es dir in den Sinn kommt. Du kannst die Affirmation in dein Journal schreiben, oder sie unter der Dusche in deinen Körper hinein massieren. Wichtig dabei ist die Regelmäßigkeit.

Wie oft hintereinander du eine Affirmation wiederholst, hängt davon ab, was du damit erreichen willst.

Geht es um längerfristige Ziele, wie etwa, einen tollen Arbeitsplatz zu finden, reicht es aus, wenn die Affirmation täglich mehrfach wiederholt wird. Sie könnte lauten:

Ich erlaube es mir, einen erfüllenden Arbeitsplatz zu finden.

Geht es darum eine wiederkehrende Stresssituation in den Griff zu bekommen, kann es notwendig sein, die Affirmation 20 bis 30 Minuten lang zu wiederholen. Solange dauert es, bis das Gehirn Stresshormone abbaut.

Dazu ein Beispiel aus meiner Praxis:

Ausgangslage: Klara kommt in Beratung, weil sie sich in den letzten Jahren immer erschöpfter fühlt. Es gelingt ihr zwar ohne Probleme, ihren Arbeitsalltag zu bewältigen, jedoch blieb nicht mehr viel Energie für eine befriedigende Freizeitgestaltung über.

Im Gespräch zeigte sich schnell, dass Klara Probleme mit dem Schlafen hat. Das sei schon seit Kindheit so, meint sie. Es quälen sie diffuse Gefühle, die sie nicht richtig zuordnen kann. Manchmal fühlt sie sich auch einsam. Sie fühlt sich dann insgesamt angespannt und dreht sich die halbe Nacht unruhig hin und her. Kreisende Gedanken belasten sie jedoch nicht.

Auf die Frage, ob Klara es schon mir Affirmationen und Atmung versucht hat, antwortet sie mit nein.

Die Affirmation: Darauf schlägt ihr die Beraterin folgende Affirmation vor: „Liebe und Friede durchströmt meinen Körper!“ Die Affirmation soll wie ein Mantra über viele Minuten hinweg gedanklich wiederholt werden. Während Klara die Affirmation innerlich wiederholt, soll sich Klara auf ihre Atmung konzentrieren.

Die Rückmeldung: Klara hat die Anregung angenommen und die Affirmation mit der Atemübung praktiziert. Sie teilt mit, dass sich schon beim ersten Mal nach ca. 20 Minuten ein wohliges Gefühl eingestellt hat. Auch wenn sie deshalb nicht sofort eingeschlafen ist, so hat sie sich doch insgesamt entspannt. Im Laufe der Woche, hat sich das Entspannungsgefühl immer schneller eingestellt. Und einmal ist sie während der Übung eingeschlafen.

Resümee: Für Klara ist die Affirmation gekoppelt mit der Atemübung eine Möglichkeit ihre unangenehmen Gefühle zu regulieren. Dies führt zu einer entspannteren Nachtruhe. Ob es ausreicht, um ihre Schlafstörungen gänzlich zu lösen, wird die Zukunft zeigen.

Wann beginnen Affirmationen zu wirken?

Wer jetzt glaubt, ich wiederhole eine Woche lang eine Affirmation und dann hat sich mein ganzes Leben verändert, muss ich hier leider enttäuschen.

Es braucht ca. 60 bis 90 Tage bis sich neue Gewohnheiten etablieren. Das Gehirn ist wie ein Muskel. Je nachdem wie oft und intensiv wir trainieren, bilden sich die neuen Verhaltens-, Gedanken- und Gefühlsmuster heraus. Und auch hier ist der Weg manchmal ein bisschen steinig.

Erstverschlechterung und Widerstand

Gerade wenn es um Verhaltensveränderungen wie mit dem Rauchen aufhören, oder gesünder essen, geht, kann es sein, dass sich die alten Muster anfangs mit aller Wucht gegen die neu, zu etablierende Ordnung wehrt. Auch wenn durch die Affirmation unbewusste Muster aufgedeckt werden, kann das anfänglich sehr anstrengend und zugleich auch lehrreich sein. Dazu ein Beispiel aus meiner Praxis:

Zwei Seiten der Freiheit

Hätte Paula vor zwei Monaten jemand gefragt, ob sie sich frei fühlt, so hätte sie ohne mit der Wimper zu zucken laut „Ja!“ gerufen. Und hätte man, die Menschen in ihrem Umfeld gefragt, ob Paula eine freie Persönlichkeit ist, hätten auch sie sofort mit „Ja!“ geantwortet.

Ausgangslage: Paula lebt in einem freien und sicheren Land. Sie fühlt sich körperlich und geistig fit, ist finanziell unabhängig. Sie ist gut gebildet und arbeitet in einem Job, der ihr Freude bringt. Ihre Beziehung gibt ihr Halt und lässt dennoch genügend Freiraum für eigene Interessen und Vorlieben. Paula gestattet es sich auch gegen den Strom zu schwimmen, wenn sie Meinungen nicht teilt. Alles in allem fühlt sich Paula im klassischen Sinne frei.

Paula erlebt sich als autonom und niemand hindert sie daran, ihre Persönlichkeit frei zu entfalten.

Die Affirmation: Im Rahmen einer Supervision, wo es darum ging, das Arbeitsverhältnis mit einer befreundeten Teamkollegin zu lösen, wurde Paula von der Supervisorin die Affirmation: „Ich bin frei und erlaube es mir frei zu sein.“, vorgeschlagen. Paula, soll diese Affirmation 2 – 3 x täglich zu wiederholen.

Die Rückmeldung: Als Paula, das nächste Mal zur Supervision kommt, berichtet sie:

Seit gut sechs Wochen wiederhole ich diese Affirmation, wenn sie mir gerade in den Sinn kommt. Und seither begegnen mir im täglichen Leben laufend Situationen, in denen ich alles andere als frei bin. Nicht etwa, weil irgendwer, irgendjemand, irgendetwas macht, dass mich meiner Freiheit beraubt.

Ich bin es selbst!

Ich stolpere über Lebensenergien, die sich an unerledigte Dinge, an offenen Rechnungen gebunden haben und sich in chronischen Knieschmerzen äußern.

Ich begegne meiner inneren Kritikerin, die mich immer wieder davon abhält, meine Ideen in die Welt zu bringen. Was dazu führt, dass ich es mir in meinem Job sehr bequem gemacht habe.

Ich begegne den Ängsten vor den von mir ernannten Autoritäten, die mich in gewissen Lebensbereichen schön auf der Einbahnstraße halten und mich davon abbringen, auch nur einmal nach links oder rechts zu schauen und die sich körperlich immer wieder als ein Gefühl der Schwere im Bereich des Herzens zeigen.

Ich begegne meinen zu hohen moralischen Selbstansprüchen, die mich mit Schuldgefühlen peinigen, wenn ich durch meine Ehrlichkeit jemanden vor den Kopf gestoßen habe.

Das alles empfinde ich als sehr anstrengend und nervig. Gleichzeitig hat Freiheit für mich eine neue Bedeutung bekommen. Freiheit heißt für mich nicht mehr nur eigenständig, selbstbestimmt und finanziell unabhängig. Freiheit heißt für mich jetzt auch, frei von Schuldgefühlen, inneren Zwängen und beschränkenden Vorstellungen, frei von hinderlichen Ängsten und Sorgen, frei von schädlicher Selbstkritik und Perfektionismus.

Paula zog eine Spruchkarte aus ihrer Handtasche, darauf stand:

„An dem Tag, an dem du deine Verantwortung für dich übernimmst, an dem Tag beginnt deine Freiheit.“ (Marc Robinson)

Resümee: Paula erkannte, dass Freiheit viel mehr ist, als das was sie bisher unter Freiheit verstand. Sie erkannte die Möglichkeit, sich von ihren eigenen Fesseln zu lösen. Dies war jedoch erst möglich, als sie durch die Erstverschlechterung als Folge der Affirmation, auf ihre eigenen lebenseinschränkenden Muster aufmerksam wurde.

Von nun an arbeitet sie mit selbstgewählten Affirmationen. Sie gestattet es sich frei zu sein von …

Resilienz und Selbstregulation

Affirmationen sind eine hilfreiche Technik, um nach traumatischen Erfahrungen, die eigene Resilienz zu steigern. Bei Flashbacks helfen sie in Kombination mit anderen Techniken, sich selbst zu regulieren. Dazu  ein Erfahrungsbericht aus meiner Praxis:

Mit erlebter Bedrohung umgehen lernen

Ausgangslage: Hanna befindet sich in einer Tanzausbildung. Immer wieder blockiert ihre rechte Hüfte. Daher hat sie eine passive Yogaeinheit gebucht. Passives Yoga wird liegend auf der Matte in voller Kleidung durchgeführt.

Flashback: Hanna liegt am Boden und empfängt die sanften Dehnungen und die Massage der Meridianlinien. Als der Bereich der rechten Hüften an der Reihe ist, berührt die Nuadpraktikerin Hannas Hüfte mit der Hand. Hanna beginnt zu weinen und kann sich kaum beruhigen. Die Praktikerin bleibt neben ihr am Boden sitzen und wartet, bis der emotionale Impulsdurchbruch abklingt. Hanna erzählt von schweren Erfahrungen in ihrer Kindheit.

Die Affirmation: Nachdem die Emotion abebben und Hanna wieder zur Ruhe gekommen ist, bietet ihr die Nuadpraktikerin eine Affirmation in Verbindung mit einer Orientierungsübung an.

Wenn sich Hanna unwohl oder bedroht fühlt, soll sie sich im Raum umhersehen und sich vergewissern, dass alles in Ordnung ist. Und wenn sie sieht, dass hier keine Gefahr droht, kann sie für sich den Satz: „Hier und jetzt ist alles gut. Hier und jetzt bin ich in Sicherheit!“, wiederholen, bis sie sich sicher fühlt.

Das passive Yoga wird unterbrochen und Hanna wird empfohlen sich an eine körperorientierte Traumatherapeutin zu wenden.

Rückmeldung: Jahre später erhielt ich ein Mail von Hanna, sie schrieb, dass sie sich tatsächlich in Therapie begeben habe und diese sehr hilfreich war. Ein Satz aber begleite sie noch heute: „Hier und jetzt ist alles gut. Hier und jetzt bin ich in Sicherheit!“

Resümee: Affirmationen können auch für Menschen mit Traumaerfahrung eine hilfreiche Möglichkeit darstellen, um sich bei gefühlter Bedrohung zu stabilisieren.

Verwende weiche Formulierungen!

Vielleicht hast du ja Lust bekommen, diese Technik auch selbst einmal auszuprobieren. Achte darauf, dass du weiche Formulierungen verwendest, um unnötige Widerstände zu vermeiden.

Ich erlaube es mir, …

Ich gehe …. mit mir um.

Mein Leben darf ….. werden.

Mein/e …. wächst von Tag zu Tag.

Viel Freude und Erfolg beim Ausprobieren!

Sanna Igelkind – Trauern mit Kindern

Sanna Igelkind – Trauern mit Kindern

Als Leherin hatte ich es sehr oft mit trauernden Kindern zu tun. Sei es, weil sich die Eltern trenne oder scheiden lassen. Sei es, dass liebgewonnene Freunde wegziehen. Sei es dass, Kinder in der Klasse von Flucht und Krieg betroffen sind. Sei es, dass nahe Menschen sterben.

Lernen kann nur gelingen, wenn wir Kinder in diesen Phasen adäquat begleiten. Auch Trauern will gelernt sein. Es liegt an uns Erwachsenen den uns anvertrauten Kindern, das zu ermöglichen. Trauern mit Kindern steht an der Tagesordnung, sobald Pädagog_innen dafür sensibilisiert sind.

Manchmal helfen für die Kinder erfundene Geschichten kleine Wunder.

Lesetipp:

 Weshalb Trauererziehung?

Sanna Igelkind

Sanna ist sieben Jahre alt. Sie hat funkelnde, schwarze Augen und langes schwarzes Haar. Sie ist dünn und lang wie eine Spaghetti. Wenn es Probleme gibt, läuft Sanna weg. Wenn Sanna nicht weglaufen kann, schlägt und beißt sie. Sie stößt Tische um, räumt Regale aus und wirft Stühle durch die Gegend. Sie schreit wie am Spieß und lässt sich nicht beruhigen. Die Kinder in ihrer Klasse wollen nicht mit Sanna spielen. Sie sagen: „Die Sanna ist verrückt.“ Die Lehrerin sagt: „Sanna darf nicht mehr zur Schule kommen.“

Sanna wechselt die Schule

Schließlich kommt Sanna in eine andere Schule. Doch sie mag die Klasse nicht besonders. Denn hier gibt es nur fünf Buben. Sanna weiß genau, was sie tun muss, um aus der Schule zu fliegen. Sie reißt der Lehrerin an den Haaren, schlägt ihr ins Gesicht, bespuckt sie, tritt ihr in den Bauch und schimpft sie laut. Sanna geht auch auf die Buben los. Aber es nützt alles nichts. Sanna ist hier willkommen. Die Lehrerin sagt nie, dass Sanna nicht mehr kommen darf. Sie sagt nur: „Sanna hat wieder eine Krise.“ Zwar finden auch hier ein paar Kinder, dass Sanna verrückt ist, aber es gibt einen, dem gefällt die wilde Sanna sehr. Er heißt Tom.

Tom

Tom ist gleich alt und gleich dünn wie Sanna, aber um einen Kopf kleiner als sie. Er hat wache, wasserblaue Augen, Sommersprossen und helle Strubbelhaare, die er sich selbst schneidet, wenn ihn irgendetwas ärgert. Da Tom sich immer wieder einmal ärgert, muss Tom nie zum Frisör. Tom geht schon länger in diese Schule.

Als er neu war, hat er die Lehrerin laut beschimpft, die Sessel umgestoßen, die Hefte und Bücher zerrissen, Bleistifte und Lineale abgebrochen, seine Mitschüler geboxt und Scheren durch die Gegend geworfen. Jetzt macht Tom das alles nicht mehr. Die anderen Kinder finden: „Tom ist richtig brav geworden.“, und die Lehrerin muss nie mehr sagen: „Tom hat eine Krise.“

Tom und Sanna werden Freunde

Wenn Sanna wütend ist, versucht Tom sie zu beruhigen. Er teilt mit ihr sein Jausenbrot oder verspricht ihr, in der Pause mit ihr zu spielen, wenn sie jetzt wieder brav arbeitet. Mit der Zeit werden die beiden dicke Freunde. In der Pause spielen sie „Hund“. Tom geht auf allen Vieren und hat eine Leine um den Bauch gebunden. Sanna führt ihn im Gang Gassi, geht mit ihm zum Tierarzt und gibt ihm ein Leckerli, wenn er Hundekunststücke zeigt. Hin und wieder verstecken sich die zwei unter einer roten Wolldecke und dann bekommt Sanna von Tom ein Bussi auf die Wange. Manchmal gibt es auch Streit, dann sagt Sanna: „Du bist nie wieder mein Freund.“, und Tom antwortet: „Ist mir doch egal, du bist sowieso blöd.“ Aber nach kurzer Zeit vertragen sie sich wieder. Sanna bringt Tom jeden Morgen ein Schokoladekipferl mit und Tom borgt sich bei der Lehrerin ein Messer aus und teilt seinen Apfel mit ihr. So vergeht das Schuljahr wie im Flug.

Endlich wieder Schule

Sanna vermisst ihren Freund und die Schule in den Sommerferien sehr. Als Sanna im Herbst wieder in die Klasse kommt, sagen die Kinder: „Sanna ist viel braver geworden.“, und die Lehrerin muss fast nie mehr sagen: „Sanna hat eine Krise.“ Und Tom teilt mit Sanna seinen Apfel, spielt mit ihr Hund und gibt ihr hin und wieder unter der roten Decke ein Bussi auf die Wange.

Im Herbst lernen die Kinder alles über den Igel. Und weil ein Herbststurm alle Blätter von den Bäumen im Schulhof geweht hat, bauen die Kinder einen Laufhaufen und legen sich hinein. Die Lehrerin bedeckt die Kinder mit Laub, bis gar nichts mehr von ihnen zu sehen ist. Es ist kuschelig warm unter den Blättern und es duftet herrlich. Die Kinder können gar nicht genug vom Igelspielen bekommen – bis auf einen.

Tom hat sich verändert

Sanna fällt auf, dass Tom seit Schulbeginn anders ist. Er ist unruhig und hat hin und wieder sehr schlechte Laune. Dann zerreißt er sein Arbeitsblatt, bricht einen Bleistift ab oder schimpft die Lehrerin. Einmal hat Tom die Lehrerin sogar getreten und dass mag Sanna gar nicht. Denn inzwischen mag Sanna die Frau Lehrerin sehr. Sanna geht die Frau Lehrerin sogar manchmal nach der Schule besuchen und dann kochen sie gemeinsam, gehen schwimmen, backen einen Kuchen oder sitzen gemeinsam in der Hängematte und plaudern.

Sanna fragt Tom: „Was ist mit Dir los?“ und Tom erzählt Sanna, dass er nicht mehr lange in diese Schule gehen kann, weil sein Papa in einer anderen Stadt Arbeit gefunden hat. Tom ist traurig und wütend, weil er nicht fortziehen will. Er mag seine Freunde nicht verlieren, in der neuen Stadt kennt Tom niemanden. Sanna macht das auch traurig. Immerhin ist Tom ihr erster und bester Freund und mit den anderen Buben in der Klasse versteht sie sich nicht sehr gut. Was soll nur aus ihnen werden.

Ende Oktober ist es dann so weit. Tom kommt das letzte Mal in die Schule und Sanna ist sehr unglücklich. Sie zeichnet ein großes Bild von Tom und ihr. Zwischen Tom und Sanna malt sie ein großes Herz. Das ist die Liebe, erklärt Sanna der Frau Lehrerin und dabei leuchten ihre Augen. Aber im nächsten Moment ist Sanna wieder traurig. „Komm mich doch heute Nachmittag besuchen“, meint die Lehrerin, „dann bauen wir den Igeln in meinem Garten einen Laubhaufen!“ Sanna freut sich über die Einladung und ist ganz aufgeregt.

Sanna besucht Klara im Garten

Am Nachmittag kommt Sanna pünktlich um zwei zum Gartenhäuschen. Sanna bekommt einen Laubrechen und einen Kübel. Gemeinsam machen sie sich an die Arbeit. Sanna hat schon nach ein paar Minuten genug vom Arbeiten. Sie durchsucht das Gartenhäuschen und den Geräteschuppen, springt am Trampolin und ist dabei sehr nachdenklich. „Ich vermisse Tom.“, sagt Sanna schließlich zu Klara. So heißt ihre Frau Lehrerin. Klara holt die Hängematte aus dem Schuppen und hängt sie zwischen die Apfelbäume. Dann holt sie zwei kuschelige Decken, die Thermoskanne mit Tee und Kekse und sagt zu Sanna: „Komm setzt dich mit mir in die Hängematte.“ Klara wickelt Sanna in eine Decke, gibt ihr Tee und Kekse und hebt sie in die Hängematte. Dann setzt sich Klara zu ihr. Sanna kuschelt sich an Klara und Klara beginnt zu erzählen.

Klara erzählt die Geschichte von Sanna Igelkind

Es waren einmal zwei Igelkinder. Sanna war ein Igelmädchen und Tom war ein Igelbub. Sie hatten sich eines Nachts zufällig unter einer Hecke kennengelernt und wurden gleich Freunde. Tom und Sanna spielten Nachlaufen und Verstecken und hin und wieder gingen sie gemeinsam auf Futtersuche. Als der Herbst kam, trennten sich ihre Wege. Beide mussten zu ihren Igeleltern in den Laubhaufen kriechen, um ihren Winterschlaf zu halten. Im Laubhaufen war es wunderschön kuschelig und warm. Der Schnee fiel vom Himmel und breitete eine weiße Decke über die Laubhaufen und Sanna und Tom wurden richtig müde.

Tom träumte von Sanna und Sanna träumte von Tom. Sie träumten wie sie gemeinsam über die Hügel liefen und nach dicken Schnecken und saftigen Regenwürmern suchten. Tom war ein richtiger Kavalier, er teilte alles was er jagte mit Sanna. Manchmal knabberten sie beide je von einer Seite an einem Regenwurm, bis sich ihre kleinen schwarzen Igelnasen berührten und dann spürte Sanna wie ihre Wangen ganz rot wurden und Tom musste verlegen kichern.

Sanna kuschelt sich noch mehr an Klara heran und sagt: „Und dann?“

Eines Nachts als sich Tom und Sanna wieder trafen, fragte Tom, der inzwischen ein richtig hübscher Igelmann war, Sanna, ob sie seine Frau werden will. Sanna war begeistert und so bauten sie sich gemeinsam ein Igelnest. Die zwei waren die glücklichsten Igel auf der Welt. Doch nach ein paar Wochen veränderte sich Sanna. Sie war manchmal schlecht gelaunt und sagte zu Tom: „Du musst viel mehr Regenwürmer und Schnecken suchen. Ich bin immer hungrig und manchmal ist mir auch schlecht!“ Und tatsächlich der Bauch von Sanna wurde immer runder und runder und Tom wusste gar nicht mehr, wo er die ganzen Schnecken finden sollte.

Klara fragt Sanna: „Was ist nur mit Sanna los?“ und Sanna antwortet: „Wahrscheinlich wird sie bald platzen von den vielen Schnecken!“ Klara lacht und fragt: „Glaubst du wirklich?“  Sanna überlegte kurz. Dann leuchten ihre Augen und sie ruft: „Nein, sie bekommt Babys. Erzähle weiter.“ Klara nimmt einen Schluck von ihrem Tee und isst einen Keks, dann fährt sie fort.

Sanna konnte von Tag zu Tag schlechter gehen, so dick war ihr Bauch schon und Tom machte sich so richtig Sorgen. Nun wollte Sanna auch noch, dass Tom das Nest größer machte. Tom verstand die Welt nicht mehr. Sie hatten doch das schönste Nest weit und breit. Aber wenn Sanna sich etwas in den Kopf setzte, war reden sowieso zwecklos, also vergrößerte er das Nest. Und als Tom am nächsten Abend aufwachte, traute er seinen Augen nicht. Tom war Vater geworden.  Sanna hat vier kleine Igelbuben geboren.

„Nur Igelbuben?“, fragt Sanna enttäuscht. „Ja“, antwortet Klara, „und weißt du, wie sie heißen?“ „Nein“, antwortet Sanna. „Sie heißen Felix, Jakob, Wolfgang und Andi.“ Sanna lacht: „Das sind ja die Buben aus der Klasse!“ „Genau“, sagt Klara, „und Sanna Igel Mama wird viel Arbeit mit den Jungs haben!“ „Erzähl weiter!“, bittet Sanna.

Tom und Sanna waren außer sich vor Glück. Sie hatten die hübschesten Igelkinder, die man sich nur vorstellen konnte. Jakob war ein bisschen mollig, weil er so gerne aß. Wolfgang war sehr ängstlich und fürchtete sich sogar vor einem Regenwurm. Felix wollte kein Igel sein, er wäre viel lieber ein kleiner Kletteraffe geworden und Andi der Älteste wusste immer genau, was passierte. Tom und Sanna hatten alle Hände voll zu tun. Einmal kam Andi gelaufen und rief: „Mama, Papa kommt schnell, Felix ist wieder auf einen Baum geklettert und kommt nicht mehr herunter!“ Als Sanna und Tom zum Baum kamen, war Felix unglaublich stolz auf sich. Er saß am obersten Ast und rief: „Ich sag ja, ich bin ein Affe und kein Igel!“ Sanna und Tom sagten im ganz ernsten Ton: „Komm sofort da herunter, sonst holen wir dich!“ Aber  Felix antwortete: „Das traut ihr euch eh nicht, ich will ein Affe sein“! Und damit hatte Felix leider Recht. Sanna und Tom konnten beide nicht klettern und sie hatten keine Ahnung wie Felix es auf den Baum rauf geschafft hatte. „Komm sofort hier herunter, bevor Dich Eule entdeckt und Dich frisst!“, schrie Tom ganz verzweifelt. Das half, denn gefressen werden, wollte Felix nicht, also ließ er sich einfach in den Laubhaufen unter dem Baum plumpsen.

Sanna schüttelt sich in der Hängematte vor Lachen: „Der Felixigel ist ja genauso wie der Felix in der Schule, der klettert auch überall herum, wo es gefährlich ist. Und was stellt der Jakobigel an?“ Klara erzählt weiter.

„Mama, Papa kommt schnell!“ rief Andi, „der Jakob und der Wolfgang streiten schon wieder ums Essen!“ Sanna und Tom liefen los. Sie hätten nie gedacht, dass es so anstrengend sein kann, Igelkinder zu erziehen. Und tatsächlich: Jakob und Wolfgang zerrten beide an einer Schnecke. „Die gehört mir!“, fauchte Jakob durch die spitzen Igelzähnchen durch, „ich habe sie zuerst entdeckt!“ „Du hast mir schon fünf weggeschnappt, ich bin auch hungrig!“, jammerte Wolfgang. „Schluss mit dem Blödsinn!“, rief Tom, „Hier gibt es genug Schnecken! Wer von euch beiden kann jetzt wohl nachgeben?“ Jakob öffnete langsam sein Igelmaul und zischte: „Na gut, dann such ich mir eben einen Käfer. Wer will schon so eine schleimige Schnecke. Das ist ja ekelig!“ Wolfgang begann zu weinen: „Schnecken sind gar nicht ekelig. Schnecken sind mein Lieblingsessen!“ „Lass dich von Jakob doch nicht ärgern“, beruhigte in Sanna. „Jetzt aber ab ins Nest mit euch“, schnaubte Tom. „Mama und ich brauchen jetzt ein bisschen Erholung!“

Die Tage wurden länger und die Sonne wurde wärmer. Die Schneedecke, die die Laubhaufen von Tom und Sanna zudeckte, begann zu schmelzen. Tom verspürte großen Hunger und er rekelte und streckte sich und öffnete ganz langsam die Augen. War das ein schöner Traum, dachte Tom. Gleich nach dem Essen mache ich mich auf die Suche.

„Und wen wird er wohl suchen?“, fragt Klara Sanna. „Mich, natürlich!“ ruft Sanna.

Sanna geht es besser

Von diesem Nachmittag an, ist Sanna ein bisschen weniger traurig. Und falls sie doch einmal sehr traurig ist, erzählt ihr Klara eine Geschichte von Sanna Igelkind und ihrem Igelfreund Tom.